Duzen oder Siezen: Die unsichtbaren Regeln der deutschen Anrede
„Du" oder „Sie" – eine Entscheidung, die über Nähe, Respekt und peinliche Momente entscheidet. Wann was gilt, und wer das „Du" anbieten darf.

Es ist der Moment, der Nicht-Deutschen Schweißperlen auf die Stirn treibt: Du triffst jemanden – und musst dich in Sekundenbruchteilen entscheiden. „Du" oder „Sie"? Eine falsche Wahl ist keine Katastrophe, aber sie wird bemerkt. Immer.
Der grundlegende Unterschied
Deutsch unterscheidet zwischen zwei Anreden. „Sie" ist höflich und schafft Distanz – im positiven Sinne von Respekt. „Du" signalisiert Nähe, Vertrautheit oder Zugehörigkeit zur selben Gruppe. Welche Form gilt, ist selten ausgesprochen, aber fast immer klar.
- Eher „Sie": Fremde, ältere Menschen, Vorgesetzte, Behörden, Kundschaft, Ärztinnen, Nachbarn (anfangs).
- Eher „Du": Freunde, Familie, Kinder, Kommilitonen, Vereinskollegen, die meisten Start-ups.
Wer darf das „Du" anbieten?
Hier liegt die wichtigste ungeschriebene Regel. Das „Du" wird angeboten, nicht einfach genommen. Und zwar von der Person mit dem höheren „Rang" in der jeweiligen Situation: die ältere bietet es der jüngeren an, die Chefin dem Team. Ein Satz wie „Wollen wir uns nicht duzen?" ist dabei fast ein kleines Ritual – oft begleitet von einem Handschlag.
Das angebotene „Du" zurückzuweisen ist möglich – aber ungefähr so charmant, wie eine ausgestreckte Hand zu ignorieren.
Die modernen Grauzonen
Früher war alles strenger. Heute duzen sich ganze Branchen vom ersten Tag an: IT, Werbung, viele Start-ups. Möbelhäuser und Sportmarken duzen ihre Kundschaft sogar in der Werbung. Gleichzeitig gilt: In Behörden, Banken und gegenüber älteren Menschen ist „Sie" weiterhin die sichere Wahl.
Die goldene Regel für alle, die unsicher sind: Im Zweifel siezen. Ein zu höfliches „Sie" wirkt vielleicht etwas steif – ein zu frühes „Du" kann dagegen anmaßend wirken. Und keine Sorge: Wenn jemand das „Du" möchte, wird er es dir anbieten. Du musst nur warten.
- #Kultur
- #Etikette
- #Sprache
Häufige Fragen
Wer bietet das „Du" an?
In der Regel die ältere oder ranghöhere Person, im Job die vorgesetzte.
Ist „Sie" unhöflich gegenüber jungen Leuten?
Unter Erwachsenen nie. Im Zweifel siezt man – das ist immer sicher.
Wann duzt man sofort?
Unter Studierenden, in vielen Start-ups, in Sportvereinen und beim Wandern.
Wöchentlich. Deutsch. Lustig.
Eine Mail pro Woche mit den besten POVs, einem Kultur-Deep-Dive und null Spam.
Mit Klick auf „Anmelden" stimmst du der Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit per Klick.

